Funchal ist eine dieser Städte, die auf den ersten Blick wirken, als wäre alles für Touristen gemacht. Pralinen-Läden, Stickerei, Wein-Degustation. Schön, klar. Aber darunter steckt eine Küche, die richtig gut ist, wenn man weiß, wo man hinschauen muss.
Dieser Artikel ist für dich, wenn dein Schiff in Funchal anlegt und du keine Lust hast, an Bord zu essen. Oder im erstbesten Restaurant am Hafenboulevard zu landen, das eine englische Speisekarte im Schaufenster hängen hat. Du weißt schon, die Art.
Hier sind konkrete Spots, realistische Wege und ein Zeitplan, mit dem du gut satt und pünktlich zurück am Schiff bist.
Was du über die madeiranesische Küche wissen musst
Kurz und ehrlich: Es ist keine komplizierte Küche. Aber sie ist sehr gut in dem, was sie tut. Viel Fisch, viel Fleisch, wenig Schnickschnack. Die Produkte sind frisch, weil die Insel sie größtenteils selbst produziert. Und die Portionen sind. Enorm.
Drei Dinge, die du kennen musst:
- Espetada: Rindfleisch auf Lorbeerholzspieß, über offenem Feuer gegrillt. Das ist Madeiras inoffizielle Nationalgerät. Serviert wird es hängend an einem kleinen Metallständer über deinem Tisch. Kein Witz.
- Peixe espada: Schwarzer Degenerfisch, der aus großen Tiefen gezogen wird und außen auf Madeira nirgendwo vorkommt. Weiches, mildes Fleisch, klassisch mit Bananenscheibe serviert. Klingt seltsam, schmeckt gut.
- Poncha: Der lokale Schnaps aus Zuckerrohrbrand, Honig und Zitrone. Mittags. Ja, das ist hier so.
Mercado dos Lavradores: Pflichtprogramm, aber mit Plan
Der Bauernmarkt im Stadtzentrum von Funchal ist keine Geheimtipp mehr. Den kennt inzwischen jeder Reiseführer. Trotzdem solltest du da hin, weil er tatsächlich gut ist, wenn du ihn richtig angehst.
Wann: Geh morgens. Am besten zwischen 8 und 10 Uhr. Dann ist er noch halbwegs übersichtlich, die Stände sind voll, und du wirst nicht von Reisegruppen hindurchgeschoben.
Was kaufen, was lassen: Die Passionsfrüchte, Ananas und Maracujas aus dem Inneren der Halle sind frisch und günstig. Die Fischstände im Untergeschoss sind beeindruckend, aber nichts zum Einpacken. Viele Standbetreiber an den Außenseiten verkaufen Schnaps-Probierchen eher aggressiv. Freundlich ablehnen reicht.
Essen auf dem Markt selbst: Es gibt eine kleine Bar im Erdgeschoss, wo Einheimische am Tresen frühstücken. Bica (der portugiesische Espresso), Pastel de nata, fertig. Günstig, gut, authentisch.
Der Markt liegt mitten in der Altstadt, zu Fuß vom Hafen in etwa 15 bis 20 Minuten erreichbar. Mit dem Auto fährst du zum Parkhaus Zona Velha oder zum großen Parkhaus am Fórum Madeira, dann läufst du rüber.
Zona Velha: Die Altstadt mit echten Restaurants
Die "Alte Zone" direkt am Hafenrand von Funchal ist touristisch, ja. Aber sie hat ein paar Restaurants, die trotzdem funktionieren.
O Tasquinha
Kleines, unprätentiöses Lokal in der Rua de Santa Maria. Holztische, kein Designambiente, dafür vernünftige Preise und Espetada, die sich lohnt. Mittagsmenü liegt bei etwa 10 bis 14 Euro mit Wein. Reservierung bei Stoßzeit sinnvoll, aber als Laufkundschaft kommt man meistens rein.
Taberna Ruel
Etwas weiter in der Altstadt, eher klein, mit handgeschriebener Tageskarte. Typisch für die Art von Lokal, das keine Website hat, aber immer voll ist. Fischgerichte wechseln täglich, Portionen sind ehrlich. Mittagessen hier kostet dich 12 bis 18 Euro pro Person.
Tipp für die Altstadt allgemein: Schau dir die Speisekarten an. Wenn die Karte auf vier Sprachen laminiert ist und Bilder von Gerichten zeigt, geh weiter. Wenn jemand von Hand die Tagessuppe an die Tafel geschrieben hat, bist du richtig.
Außerhalb von Funchal: Für die, die ein Auto haben
Hier wird es interessant. Wer einen Mietwagen dabei hat, kann in 25 bis 35 Minuten an Orte, die auf Madeiras echter Speisekarte stehen.
Ribeira Brava: Espetada am ursprünglichen Ort
Ribeira Brava liegt an der Südküste, etwa 30 Minuten westlich von Funchal. Die Stadt ist kleiner, ruhiger, und hat mehrere Restaurants, die die klassische Espetada so servieren, wie sie ursprünglich aus dem Inselinneren stammt. Das Restaurant Solar do Peixe (direkt an der Strandpromenade) ist bekannt für Fisch, andere Lokale im Ort für Fleisch am Lorbeerholzspieß.
Der Vorteil: Du zahlst hier spürbar weniger als in Funchal, und der Touristenandrang ist geringer.
Monte: Kaffee mit Aussicht, bevor es weitergeht
Monte liegt über Funchal, etwa 15 bis 20 Minuten mit dem Auto. Bekannt für die Korbschlittenfahrt bergab, die du für 30 Euro machen kannst oder auch lassen. Was weniger bekannt ist: Die kleinen Cafés rund um die Kirche Nossa Senhora do Monte servieren Kaffee und lokale Süßigkeiten für unter 3 Euro. Schöne Pause, guter Blick, kein Gedränge wenn du vor 10 Uhr da bist.
Poncha: Wo und wieviel
Die klassische Poncha-Bar in Funchal ist Arsenio's in der Rua de Santa Maria, oder noch bekannter, Taberna da Poncha etwas weiter in der Zona Velha. Ein Glas kostet 2 bis 3 Euro. Es gibt Variationen mit Maracuja, Honig oder Zitrone.
Wichtig zu wissen: Poncha sieht aus wie Limonade. Ist es nicht. Der Alkoholgehalt liegt bei gut 40 Prozent. Wenn du nachmittags noch Auto fahren willst, entweder morgens aufhören oder bei einem Glas bleiben. Du weißt schon.
Zeitplan für einen Foodlandgang in Funchal
Damit du das nicht selbst zusammenpuzzeln musst, hier ein konkreter Ablauf für einen typischen Landgang:
- 08:30 Uhr: Schiff verlassen, Mietwagen am Hafen abholen
- 09:00 Uhr: Mercado dos Lavradores, Frühstück an der Marktbar, Obst kaufen, Fischstand anschauen
- 10:00 Uhr: Zona Velha erkunden, Altstadt zu Fuß
- 12:00 Uhr: Mittagessen in der Altstadt oder Fahrt nach Ribeira Brava (dann ca. 12:30 Uhr dort)
- 14:00 Uhr: Poncha-Stop, ein Glas, kurze Pause
- 14:30 Uhr: Rückfahrt Richtung Hafen, ggf. Monte als Abstecher
- 16:00 Uhr: Mietwagen zurückgeben, zurück ans Schiff
Das funktioniert für einen Landgang von etwa 8 Stunden. Wenn du weniger Zeit hast, lass Monte weg und bleib in Funchal.
Was du sonst noch wissen solltest
Parken in Funchal: Nicht ganz einfach. Das Parkhaus am Fórum Madeira ist groß und zentral, kostet etwa 1 bis 1,50 Euro pro Stunde. Straßenparken in der Altstadt ist möglich, aber zeitaufwendig zu suchen.
Zahlen: Portugal ist EU, also Euro. Kartenzahlung funktioniert in den meisten Restaurants, aber manche kleinen Lokale nehmen lieber Bargeld. 20 bis 30 Euro dabei haben schadet nicht.
Öffnungszeiten: Viele kleine Restaurants haben Mittagspause zwischen 15 und 18 Uhr. Wer um 15:30 Uhr irgendwo etwas essen will, wird oft vor geschlossenen Türen stehen. Plant das ein.
Was du skippen kannst: Die großen Restaurantketten am Hafenboulevard direkt unter den Kreuzfahrtschiffen. Die Preise sind gesalzen, die Qualität ist generisch. Da kannst du auch an Bord bleiben.
Für einen Foodlandgang auf Madeira brauchst du kein Bustour-Paket und keine Gruppe. Du brauchst Zeit, ein bisschen Orientierung und die Freiheit, selbst zu entscheiden, wo du als nächstes hinfährst. Mit einem Mietwagen direkt am Kreuzfahrthafen Funchal buchst du genau das über CruiseCars und bist garantiert pünktlich zurück, bevor das Schiff ablegt. Der Rest liegt bei dir.

