La Coruña ist einer dieser Häfen, bei denen die meisten Kreuzfahrer kurz über die Promenade schlendern, ein Foto vom Herkulesturm machen und dann wieder an Bord gehen. Schade. Weil Galicien genau das Gegenteil von austauschbar ist. Grüne Hügel, Atlantiksturm, Meeresfrüchte so frisch, dass man sie noch zappeln hören könnte. Mit einem Mietwagen holst du aus diesem Hafen deutlich mehr raus.
Hier kommt der Plan.
Erst mal orientieren: Was erwartet dich in La Coruña?
Der Hafen liegt direkt am Stadtrand, fußläufig zur Altstadt. Das ist praktisch. Die Stadt selbst ist überschaubar, aber die Glasgalerien an der Promenade (die sogenannten "Galerías") sind wirklich sehenswert und machen La Coruña architektonisch einzigartig in Spanien. Geht auch ohne Auto, klar. Aber wer Galicien wirklich erleben will, muss raus aus der Stadt.
Ein realistischer Landgang dauert zwischen sechs und acht Stunden, je nach Anlegezeit deines Schiffs. Das reicht gut, wenn du weißt, wohin du willst.
Der Herkulesturm: Pflicht, aber mach's morgens
Der Torre de Hércules ist der älteste funktionierende Leuchtturm der Welt, über 1.900 Jahre alt, UNESCO-Welterbe, und ja, er sieht beeindruckend aus. Aber: Mittags ist er hoffnungslos überlaufen, wenn mehrere Schiffe gleichzeitig im Hafen liegen. Geh direkt nach dem Ablegen hin, gegen 9:00 oder 9:30 Uhr. Der Eintritt liegt bei rund 3 Euro. Der Ausblick von oben auf die Atlantikküste lohnt die paar Stufen.
Parken geht gut am nahe gelegenen Parkplatz beim Freizeitbereich "Os Cantóns". Kein Stress, kein Ticket-Drama.
Ab aufs Land: Die Highlights rund um La Coruña
Die Costa da Morte, oder: Galicien ohne Filter
Etwa 50 bis 70 Kilometer westlich von La Coruña liegt die "Todesküste". Der Name klingt dramatisch und das ist er auch. Zerklüftete Felsen, tosende Wellen, kaum Touristen. Das hier ist Galicien, wie es vor 40 Jahren überall aussah.
Ein konkretes Ziel: Muxía oder Fisterra (Finisterre). Fisterra gilt als das "Ende der Welt" und liegt am westlichsten Punkt des spanischen Festlands. Pilger auf dem Jakobsweg laufen hierher, nachdem sie Santiago de Compostela schon hinter sich haben. Die Fahrt dauert von La Coruña rund 1 Stunde 30 Minuten bis 1 Stunde 45 Minuten, je nach Strecke. Das ist ehrgeizig für einen Landgang, aber machbar, wenn du früh los bist und keine Mittagspause einplanst, die ausartet.
Realistischer Tipp: Wer nicht so weit fahren will, fährt einfach entlang der Küstenstraße Richtung Camariñas. Schon nach 40 Minuten Fahrt bist du an Stränden, bei denen du dich fragst, warum die Leute eigentlich nach Mallorca fliegen.
Santiago de Compostela: Lohnt sich, aber plant es richtig
Ja, Santiago liegt nur rund 70 Kilometer von La Coruña entfernt. Rund 50 bis 60 Minuten Fahrt auf der Autobahn. Die Kathedrale ist beeindruckend, der Praza do Obradoiro einer der schönsten Plätze Europas.
Aber: Santiago ist kein Durchgangsziel. Die Altstadt will zu Fuß erkundet werden. Wenn dein Schiff um 18:00 Uhr ablegt, solltest du spätestens um 16:30 Uhr zurück im Hafen sein. Das bedeutet: Wenn du gegen 10:00 Uhr in Santiago ankommst, hast du gut vier Stunden vor Ort. Das reicht für die Kathedrale, einen Kaffee in der Rúa do Franco und einen kurzen Bummel. Mehr nicht. Wer auf eigene Faust dorthin fährt, sollte das nüchtern einkalkulieren.
Parken in Santiago: Nutze das Parkhaus "San Caetano" oder eines der Parkhäuser rund um die Altstadt. Ins Zentrum selbst fahren ist sinnlos, die Einbahnstraßen machen dich wahnsinnig.
Betanzos: Der unterschätzte Tipp
Nur 25 Kilometer von La Coruña, 25 Minuten Fahrt. Betanzos ist eine mittelalterliche Kleinstadt, die kaum jemand kennt. Gotische Kirchen, ein verwunschenes Stadtzentrum, und die Bars an der Plaza García Hermanos servieren das wohl bekannteste Tortilla-Rezept Galiciens, sehr flüssig in der Mitte, fast schon wie ein weicher Pudding. Nicht jedermanns Sache, aber du wirst es wissen wollen.
Wenn du keine Zeit für große Ausflüge hast, aber trotzdem etwas Echtes erleben willst: Betanzos ist die Antwort.
Was du auf dem Teller haben solltest
Galicien und Meeresfrüchte sind untrennbar. Konkret heißt das:
- Pulpo a la gallega (Tintenfisch mit Paprika und Olivenöl, auf Holztellern serviert)
- Percebes (Entenmuscheln, teuer, aber legendär)
- Zamburiñas (kleine Jakobsmuscheln, oft gegrillt)
- Dazu ein weißer Albariño oder ein Ribeiro vom Weingut der Wahl
Einen guten Spot in La Coruña selbst: Die Markthalle Mercado de Santiago in der Altstadt. Dort kaufen Einheimische ein, und ringsherum gibt es kleine Bars, die mittags frisch aufmachen. Komm nicht vor 13:00 Uhr, dann ist noch nichts los.
Der richtige Zeitplan für deinen Landgang
Damit du einen konkreten Anhaltspunkt hast, hier ein Vorschlag für einen typischen Landgang mit Schiff-Abfahrt gegen 18:00 Uhr:
- 8:30 Uhr: Mietwagen am Hafen abholen
- 9:00 Uhr: Herkulesturm (circa 45 Minuten)
- 10:00 Uhr: Abfahrt Richtung Betanzos oder Küste
- 11:00 bis 13:30 Uhr: Ausflug, Strandspaziergang oder Rundgang durch Betanzos
- 13:30 Uhr: Mittagessen in einer Tapas-Bar (niemals eilen, Galicier essen langsam)
- 15:30 Uhr: Rückfahrt nach La Coruña
- 16:30 Uhr: Auto zurückgeben, zurück an Bord
- Puffer eingeplant: ja, mindestens 45 Minuten vor Abfahrt am Schiff sein
Wenn du Santiago oder Fisterra ansteuerst, verschieb alles um rund eine Stunde nach vorne und iss unterwegs, nicht in der Stadt.
Was du auf keinen Fall vergessen solltest
Galicien hat ein Wetter, das sich nicht an Reisepläne hält. Es kann morgens strahlend sein und mittags schütten. Bring eine leichte Regenjacke, auch im Sommer. Das ist kein Scherz. Die Locals nennen den Landregen "orbayu" und betrachten ihn als Teil der Heimat. Du wirst das nach einer Stunde in der Kälte vielleicht anders sehen.
Außerdem: Galicische Landstraßen sind eng. Wirklich eng. In den Dörfern an der Costa da Morte begegnest du manchmal Traktoren, Kühen oder Pilgern auf der Fahrbahn. Kein Stress. Einfach Tempo rausnehmen.
Zurück am Schiff: Den Puffer nicht unterschätzen
La Coruña hat keinen übermäßig stressigen Stadtverkehr, aber der Hafen selbst kann zur Abfahrtszeit voll werden, wenn mehrere Schiffe gleichzeitig liegen. Plane mindestens 30 bis 45 Minuten Puffer vor dem Ablegehorn ein. Das Schiff wartet nicht, das ist kein Witz und leider eine echte Erfahrung, die Reisende jedes Jahr machen.
Mit einem Mietwagen von CruiseCars bist du direkt am Hafen startklar, ohne Taxisuche und ohne Zeitverlust durch irgendwelche Transfer-Busse. Und das Wichtigste: Du gibst das Auto einfach wieder ab und gehst an Bord. So bleibst du flexibel und pünktlich.
Galicien ist eine der ehrlichsten Regionen Spaniens. Wenig Show, viel Substanz. Genau das Richtige, wenn du einen Landgang willst, der nach mehr klingt als ein Foto vor einem Turm.

