La Gomera taucht am Horizont auf und sieht aus wie eine grüne Faust, die aus dem Atlantik schlägt. Keine riesigen Hotelkomplexe, keine Einkaufspassagen, kein Massentourismus. Stattdessen: steile Schluchten, uralter Nebelwald und Stille, die man fast hören kann. Das ist La Gomera. Und ja, du hast nur einen Tag. Aber mit dem richtigen Plan ist das mehr als genug.
Ankunft in San Sebastián de la Gomera: Erst ankommen, dann losfahren
Dein Schiff legt im Hafen von San Sebastián de la Gomera an, der einzigen nennenswerten Stadt auf der Insel. Der Hafen liegt direkt im Zentrum, die Altstadt ist in fünf Minuten zu Fuß erreichbar. Nutz das kurz aus, bevor du ins Auto steigst. Die Calle del Medio ist die Haupteinkaufsstraße, klein, aber charmant, und dort findest du auch die erste wichtige Info: Gib im Supermarkt kurz durch, was du zum Picknick mitnimmst. Mehr dazu gleich.
Die Mietwagenabholung funktioniert direkt am Hafen. Früh morgens abholen lohnt sich, denn die Insel ist zwar nur etwa 370 Quadratkilometer groß, aber die Straßen sind kurvenreich und langsam. Plane auf La Gomera grundsätzlich mehr Zeit ein, als Google Maps dir sagt. Die Kurven lügen nicht, und die Aussichten rechts und links sorgen dafür, dass du öfter anhältst, als du gedacht hättest.
Der Zeitplan für deinen La-Gomera-Tag
Damit du weißt, woran du bist, hier ein realistischer Ablauf für einen typischen Landgang von etwa 8 bis 9 Stunden:
- 08:30 Uhr: Abholung Mietwagen am Hafen, kurzer Stopp im Supermarkt für Picknick-Proviant
- 09:00 Uhr: Abfahrt Richtung Garajonay-Nationalpark
- 09:45 Uhr: Ankunft Mirador de Igualero (Ausblick plus Startpunkt kleiner Wanderwege)
- 10:00 bis 12:00 Uhr: Spaziergang oder Wanderung im Nationalpark, Gipfel des Garajonay optional
- 12:15 Uhr: Weiter zum Mirador del Santo (einer der besten Ausblicke der Insel)
- 13:00 Uhr: Mittagessen in Chipude oder Arure, lokales Restaurant
- 14:00 Uhr: Valle Gran Rey, kurzer Stopp am Strand oder Aussicht
- 15:30 Uhr: Rückfahrt nach San Sebastián
- 16:15 bis 16:30 Uhr: Rückgabe Mietwagen, Rückkehr ans Schiff
Klingt machbar? Ist es. Aber halte dich an die Zeiten, denn die Rückfahrt von Valle Gran Rey dauert durch die Kurven mindestens 45 bis 60 Minuten.
Garajonay-Nationalpark: Das grüne Herz der Insel
Der Garajonay ist UNESCO-Weltnaturerbe und einer der letzten Lorbeerwälder der Welt. Das klingt nach trockenem Schulbuch, fühlt sich aber an wie ein Spaziergang durch Jurassic Park, ohne die Dinosaurier. Die Bäume sind uralt, der Boden moosbedeckt, und wenn Nebel durch den Wald zieht, was hier oft der Fall ist, wirst du kurz vergessen, dass du eigentlich auf einer kanarischen Insel bist.
Der einfachste Einstieg für Kreuzfahrer mit begrenzter Zeit ist der Parkplatz nahe der Ermita de Nuestra Señora de Lourdes beim Ort Igualero. Von dort aus gibt es gut markierte, kurze Wege von 30 bis 90 Minuten. Der Gipfel des Garajonay selbst liegt auf 1.487 Metern und ist in etwa 30 Minuten zu Fuß erreichbar. Die Aussicht bei klarem Wetter reicht bis Teneriffa und den Teide. Bei Nebel siehst du nichts, aber es fühlt sich trotzdem besonders an.
Parktipp: Direkt am Mirador de Igualero gibt es einen kleinen Parkplatz, kostenlos, aber früh voll. Alternativ parkt man 200 Meter vorher am Straßenrand, ebenfalls kostenlos.
Was du mitnehmen solltest
Festes Schuhwerk, keine Flipflops. Eine dünne Jacke, denn im Wald ist es kühl, selbst im Sommer. Und dein Picknick. Es gibt kaum Cafés oder Kioske im Nationalpark.
Aussichtspunkte: Drei, die sich wirklich lohnen
La Gomera hat mehr Miradores als du an einem Tag abfahren kannst. Hier die drei, die du wirklich nicht verpassen solltest:
- Mirador del Santo: Wenige Kilometer von Chipude entfernt, mit direktem Blick ins Valle Gran Rey. Der Ausblick auf die Schluchten und die zerklüftete Westküste gehört zu den eindrucksvollsten der ganzen Insel. Parkplatz vorhanden, kostenlos.
- Mirador de Abrante: Über dem Ort Agulo gelegen, mit einer verglasten Aussichtsplattform (Eintritt etwa 3 bis 5 Euro). Von hier siehst du Agulo von oben, den Atlantik und bei gutem Wetter den Teide auf Teneriffa direkt gegenüber. Das Foto ist es wert.
- Roque de Agando: Kein klassischer Mirador, sondern ein riesiger Lavafelsen direkt an der Hauptstraße GM-1. Parken am Straßenrand, kurzer Fußweg, enormes Foto-Potenzial. Kein Aufwand, großer Effekt.
Essen auf La Gomera: Was du probieren solltest
La Gomera hat eine eigene Küche, und die ist gut. Sehr gut sogar, wenn du die richtigen Orte kennst. Die Touristenfallen in San Sebastián direkt am Hafen kannst du getrost ignorieren.
Almogrote ist das lokale Mitbringsel schlechthin, ein würziger Aufstrich aus Hartkäse, Paprika und Knoblauch. Den gibt es im Supermarkt zum Mitnehmen und in fast jedem Restaurant als Vorspeise auf Brot.
Potaje Gomero ist ein Eintopf aus Hülsenfrüchten und Gemüse, bodenständig, sättigend, perfekt für einen aktiven Tag.
In Chipude, dem kleinen Dorf nahe des Nationalparks, gibt es ein paar winzige lokale Bars und Restaurants, die kaum auf Touristen ausgerichtet sind. Genau dort essen. Erwarte keine Menükarten auf Deutsch, ein Blick auf das, was die anderen auf dem Tisch haben, reicht als Bestellung.
In Arure gibt es ebenfalls kleine Lokale mit Terrasse und Blick ins Tal. Das Essen ist einfach, frisch und günstig, Menü del día oft zwischen 10 und 13 Euro.
Valle Gran Rey: Kurz rein, kurz raus
Das Valle Gran Rey im Westen der Insel ist La Gomeras bekanntester Ort nach San Sebastián. Hippie-Geschichte, schwarze Sandstrände, türkisfarbenes Wasser. Klingt traumhaft, ist es auch, aber der Ort selbst ist im Verhältnis zu seiner Bekanntheit ziemlich klein. Für einen kurzen Stopp reicht es vollkommen.
Park oberhalb des Ortes auf einem der kostenlosen Parkplätze an der Hauptstraße und lauf zu Fuß runter. Das spart dir die Suche nach Parkplätzen unten, und die kann richtig nervig werden. Der Strand La Playa de Valle Gran Rey ist nett für einen kurzen Spaziergang, aber zum Ausgiebig-Schwimmen bleibt bei diesem Tagesplan keine Zeit.
Wichtig: Die Rückfahrt von Valle Gran Rey nach San Sebastián dauert etwa 45 bis 60 Minuten über die kurvenreiche GM-1. Fahr spätestens um 15:30 Uhr los, wenn dein Schiff gegen 18:00 Uhr ablegt.
Typische Fehler beim La-Gomera-Landgang
Zu viel wollen. La Gomera klingt klein, ist es aber fahrtechnisch nicht. Wer versucht, den Nationalpark, alle Aussichtspunkte, Valle Gran Rey, den Strand und noch San Sebastián zu kombinieren, landet endet gestresst und verpasst das Wesentliche.
Straßenzeiten unterschätzen. Google Maps gibt dir 25 Minuten an. Rechne mit 35 bis 40. Immer.
Kein Bargeld dabei haben. Viele kleine Restaurants und Kioske auf La Gomera akzeptieren nur Bargeld. Zieh am Hafen oder in San Sebastián kurz Geld ab.
Zu spät zurückfahren. Das Schiff wartet nicht. Plane mindestens 30 Minuten Puffer vor Ablegezeit für Rückgabe und den Weg an Bord.
Zurück am Hafen: Entspannt ins Abendessen
Wenn du den Tag gut geplant hast, bist du gegen 16:30 Uhr zurück am Hafen, Mietwagen abgegeben, und hast noch Zeit für einen letzten Café am Hafen von San Sebastián, bevor das Schiff ablegt. Schau dir kurz die Torre del Conde an, ein alter Wachturm mitten im Städtchen, Kolumbus hat hier angeblich auf dem Weg nach Amerika Halt gemacht. Fünf Minuten reichen, es ist kein Museum, sondern nur ein Turm, aber er gehört zum Pflichtprogramm des kurzen Abschlussrundgangs.
La Gomera ist die Art von Insel, von der du auf dem Rückweg denkst: Da will ich nochmal hin, mit mehr Zeit. Das ist eigentlich das beste Zeichen.
Mit einem Mietwagen direkt am Kreuzfahrthafen, gebucht über CruiseCars, fängst du deinen Tag ohne Umwege an und bist garantiert pünktlich zurück ans Schiff. Kein Rätselraten, kein Shuttle-Stress.

