Levada-Wanderung auf Madeira: So planst du den perfekten Tagesausflug vom Kreuzfahrthafen Funchal
Madeira ist eine dieser Inseln, die du vom Deck aus siehst und sofort weißt: Da will ich rein. Nicht an den Strand, nicht in die Altstadt. Da rein, in dieses satte, dunkle Grün. Levadas sind der Schlüssel dazu. Diese jahrhundertealten Bewässerungskanäle ziehen sich wie Schienen durch die gesamte Insel, und die Wanderwege, die ihnen folgen, sind schlicht das Beste, was Madeira zu bieten hat.
Das Problem für Kreuzfahrer: Ihr habt keinen ganzen Tag. Ihr habt vielleicht acht, neun Stunden. Und die falsche Levada zu wählen, kostet euch entweder den Anschluss ans Schiff oder ihr steht nach 20 Minuten wieder am Parkplatz und fragt euch, was das jetzt war.
Hier kommt die ehrliche Einschätzung.
Welche Levada ist die richtige für Kreuzfahrer?
Madeira hat über 2.000 Kilometer Levada-Wege. Das klingt gut, bedeutet aber auch: Die Auswahl kann überfordern. Vergiss für einen Kreuzfahrt-Tagesausflug alles, was mehr als 90 Minuten Fahrzeit ab Funchal braucht oder technische Ausrüstung voraussetzt.
Levada do Caldeirão Verde: Nur wenn du mutig bist
Die Levada do Caldeirão Verde im Norden der Insel ist spektakulär, keine Frage. Vier Tunnel, moosige Felsen, am Ende ein kleiner Wasserfall in einem Kessel, der aussieht wie aus einem Fantasy-Film. Aber: Die Tunnel sind dunkel, feucht und ohne Stirnlampe absolut nicht zu machen. Die Strecke (hin und zurück rund 13 Kilometer) dauert locker vier bis fünf Stunden zu Fuß. Plus Fahrzeit von Funchal nach Queimadas, dem Startpunkt: gut 45 bis 60 Minuten, je nach Straßenlage. Das ist sportlich kalkuliert für jemanden, der um 18 Uhr am Schiff sein muss. Nur für gut Trainierte, die wirklich früh losfahren.
Levada dos Balcões: Kurz, lohnend, ideal für alle
Das ist der Geheimtipp für alle, die nicht sechs Stunden laufen wollen und trotzdem "Levada" auf ihrer Liste abhaken möchten. Der Startpunkt liegt bei Ribeiro Frio, etwa 30 bis 35 Minuten von Funchal entfernt. Die Strecke selbst ist flach, gut befestigt und führt in rund 45 Minuten Gehzeit (eine Richtung) zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf die Zentralgebirge Madeiras. Du siehst Adlerbussarde, wenn du Glück hast, und hörst nur Wasser und Wind. Hin und zurück also rund eineinhalb Stunden Wandern. Perfekt für Familien, ältere Semester und alle, die "Wandern" im Urlaub romantisch finden, aber eigentlich lieber entspannt unterwegs sind.
Levada do Furado (Ribeiro Frio bis Portela): Für ambitionierte Wanderer
Du bist fit, willst wirklich etwas erleben und hast Lust auf einen klassischen Levada-Walk? Dann ist diese Route dein Ding. Vom gleichen Startpunkt Ribeiro Frio führt sie rund elf Kilometer bis nach Portela. Einseitig, also kein Zurücklaufen. Das setzt voraus, dass du entweder zwei Autos hast (eines am Start, eines am Ziel) oder jemanden, der dich abholt. Mit dem Mietwagen geht das sehr gut: eine Person fährt das zweite Auto vor, alle anderen starten die Wanderung. Die Tour selbst dauert drei bis vier Stunden. Landschaft: Lorbeerwald, Lorbeerwand, Lorbeerwald. Im besten Sinne.
So läuft dein Tag ab: Ein realistischer Zeitplan
Nehmen wir die Route Levada dos Balcões als Basis, weil sie für die meisten Kreuzfahrer am besten passt.
- 8:00 Uhr: Schiff legt an, du bist einer der Ersten, die von Bord gehen. Keine Stunde in Funchal bummeln, das können andere machen.
- 8:30 Uhr: Abfahrt ab dem Kreuzfahrthafen Funchal. Mit dem Mietwagen fährst du über die Via Rápida (ER101) Richtung Norden, dann über Camacha oder Santa Cruz nach Ribeiro Frio. Navi ist Pflicht, die Straßen sind eng und kurvenreich.
- 9:15 Uhr: Ankunft Ribeiro Frio. Parken: Es gibt einen kleinen Parkplatz direkt am Dorf, der sich früh füllt. Wer später kommt, parkt am Straßenrand, und das auf Madeira bedeutet: sehr eng, sehr steil, sehr aufregend.
- 9:30 Uhr: Start der Wanderung Richtung Balcões. Der Weg ist ausgeschildert, du kannst eigentlich nicht verlaufen.
- 10:15 Uhr: Balcões-Aussichtspunkt. Kurze Pause, Fotos, Panorama genießen.
- 11:00 Uhr: Zurück am Ausgangspunkt in Ribeiro Frio. Wer mag, isst beim Restaurant Victor (direkt am Weg, macht Forelle aus eigener Zucht, nicht fancy aber gut).
- 12:00 Uhr: Rückfahrt nach Funchal. Du hast jetzt noch gut vier Stunden, um durch die Markthalle zu schlendern, einen Poncha zu trinken oder einfach am Hafen zu sitzen.
- 17:00 Uhr: Spätestens zurück am Schiff. Madeiras Straßen können Überraschungen bereithalten, Stau in Funchal selbst ist nachmittags möglich.
Was du auf keinen Fall vergessen darfst
Stirnlampe. Klingt übertrieben, ist es nicht. Sobald du eine Levada mit Tunneln wählst, brauchst du Licht. Und zwar richtiges, kein Handydisplay.
Festes Schuhwerk. Die Wege sind oft feucht, manchmal rutschig, manchmal schmal mit Hang auf der einen Seite. Sneaker gehen bei Balcões, bei anspruchsvolleren Routen tun sie dir aber keinen Gefallen.
Wasser und Snacks. Auf der Strecke gibt es keine Kioske. Funchal hat Supermärkte, die früh öffnen. Nimm genug mit.
Regenjacke. Madeira ist grün aus einem bestimmten Grund. Der Norden und die Höhenlagen können auch im Sommer plötzlich neblig oder nass werden. Eine leichte Jacke kostet nichts im Rucksack.
Offline-Karte. Die Mobilfunkabdeckung im Lorbeerwald ist... naja. Lad dir vorher eine Karte in Google Maps oder Maps.me herunter. Besonders für die Rückfahrt durch die Berge dankst du dir das später selbst.
Ein Wort zur Parkplatz-Realität
Madeira ist bei Wanderern beliebt. Sehr beliebt. An Hochsaisontagen kann Ribeiro Frio am späten Vormittag schon so voll sein, dass Autos die Kehren blockieren. Früh losfahren ist daher keine nette Empfehlung, sondern wirklich sinnvoll. Wer erst um 10:30 Uhr aufbricht, wird das spüren.
Für die Levada do Caldeirão Verde startest du in Queimadas. Dort gibt es einen ordentlichen Parkplatz, aber auch der füllt sich. Ab 9 Uhr wird es eng.
Zurück ans Schiff: Was du im Kopf behalten solltest
Funchal ist nicht groß, aber der Kreuzfahrthafen liegt nicht im Zentrum. Vom Markttreiben in der Altstadt bis zum Schiff sind das zu Fuß gut 20 bis 25 Minuten oder eine kurze Fahrt. Plant immer einen Puffer von mindestens einer Stunde vor der offiziellen Abfahrtszeit ein. Kreuzfahrtschiffe warten nicht.
Mit dem Mietwagen kannst du das Auto direkt am Hafen oder nahe dran abgeben und bist sofort zu Fuß am Terminal. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber organisierten Ausflügen, die mit dem Bus verschiedene Hotels und Schiffe abklappern und oft erst auf den letzten Drücker ankommen.
Wenn du deinen Mietwagen direkt über CruiseCars buchst, bekommst du ihn am Hafen, gibst ihn am Hafen zurück und hast den ganzen Tag dazwischen für dich. Kein Transferbus, kein Warten. Du entscheidest, wann du losgehst und wann du wiederkommst. Auf einer Insel wie Madeira, wo die besten Momente abseits der Touristenrouten passieren, ist das alles andere als egal.

